Traditioneller Glaube

Schöpfung

Rwanda hat eine orale Tradition. Die traditionellen Glaubensmythen werden von Generation zu Generation weitererzählt.
In „Ubucurabwenge“ werden die Geschichten der Entstehung Ruandas erzählt. Danach war Gihanga der Schöpfer Rwandas.
Sein Vater war Kazi ka Muntu, die „Wurzel der Menschheit“. Gihanga war der letzte der Könige, die vom Himmel herabgekommen waren. Er gründete Ruanda. Gihangas Mutter war die Tochter Nyamigezi, des Königs der Erdgeborenen. Ihr Name war Nyirarukangaga.
Eine andere Schöpfungsgeschichte erzählt, dass die Dynastie des ersten Königs von Muntu, dem Sohn des Himmelskönigs gegründet wurde. Er fiel vom Himmel auf die Erde. Der Name Muntu bedeutet „menschlich“. Muntu ist der Stammvater der Menschheit, Abantu.

Gott

Imana ist verantwortlich für alles. Er kontrolliert die ganze Welt, lebt aber in Ruanda.

Andere Namen für ihn sind:
Rurema. The Creator – der Schöpfer
Rugaba. The Giver – der Geber
Rwagisha. Enricher – der Bereicherer
Uhoraho. The Eternal – der Ewige
Rugira. The one who has – der alles besitzt

Könige

Die Könige Ruandas, Abami (pl., Singular „mwami“), waren geheiligte Wesen, die zum Teil göttlich waren. Sie hatten Kräfte, die direkt von Gott kamen. Es wurde geglaubt, dass die Könige zum Regieren geboren wurden, dass die wahre Macht aber bei der Königinmutter lag. Die Könige hatten eine Trommel, Kalinga genannt, die so heilig war, dass sie nie gespielt wurde. Sie galt als Symbol der göttlichen Autorität des Königs.

Geister der Ahnen

Die Ruander glauben, dass es eine Lebenskraft in jedem Menschen gibt. Wenn ein Mensch stirbt, wird diese Lebenskraft zu „Umuzimu“, das ist der Geist der Toten. Traditionell wird geglaubt, dass die Geister Pech, Krankheiten und Unglücke verursachen. Aber die Abazimu können auch die Familie beschützen, wenn sie verehrt und durch verschiedene Rituale besänftigt werden. Solche Rituale sind: Getränke ins Feuer schütten oder eine Ziege ihnen zur Ehre schlachten. Der Haushaltsvorstand baut oft auch eine besondere (kleine) Hütte für den Geist des Vorfahren. Häufig konsultieren die Menschen (auch heute noch ) einen Seher, einen Umupfumu, um genau herauszufinden, was der Abazimu möchte. Der Seher kann die Wünsche des Geistes interpretieren und der Familie empfehlen, was sie tun kann, um ihre Situation mit dem Geist des Vorfahren zu verbesserrn.
Ryangombe ist der König der Abazimu. Er wurde von einem Büffel getötet. Nach seinem Tod kehrte er nach Ruanda zurück und sprach zu den Menschen durch Mittelsleute und half der Nation, wenn es Probleme gab. Ryangombe ist der mächtigste der Geister der Vorfahren.
Die „Imwandwa“ sind eine Gruppe von Männern, die besonders Ryangombe dienen. Es gibt sie auch heute noch.

Andere Geister

Nyambingi ist ein weiblicher Geist, der ähnliche Kräfte hat wie Ryangombe.
Mugasha ist ein Geist, der im Kivu-See lebt.
Kazikamuntu ist der Vater der Menschheit (siehe oben).
Nyamuzinda ist der Herrscher über Ikuzimu – der Welt unterhalb des Erdbodens.

Es gibt heute noch Menschen, die an diese Geschichten glauben, obwohl der christliche Glaube (vor allem der katholische und protestantische – die christlichen -amerikanischen- Sonderformen wie Adventisten, Pentecostler usw. kamen erst nach dem Genozid) inzwischen eine lange Tradition hat. Der Glaube der Rwander an einen Gott hat es den Missionaren auch leicht gemacht, den christlichen Glauben einzuführen und die „weibliche Komponente“ in Person der starken Königinmutter hat Maria als Mutter Gottes sozusagen vorbereitet.

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Gesundheit

Alle Menschen, die diesen Blog lesen, können froh sein, daß sie wahrscheinlich nie in Rwanda erkranken werden. Für Ausländer ist es vielleicht ja ein wenig besser, aber Rwander müssen große Mühen und für sie in der Regel nicht tragbare Kosten auf sich nehmen, wenn sie ärztliche Hilfe brauchen.

Gesundheitszentrum in Kisaro

In der Schule sind viele Kinder krank. Nur manchen können wir helfen.
Wir haben eine Erste-Hilfe-Station, mit Paracetamol, Desinfektionsmitteln, Salben, Verbandszeug… aber wenn es ernst wird, können wir nichts mehr tun, als vielleicht einen Doktor bezahlen.
Es gibt sechs verschiedene Parasitenarten, die alle große

Patienten in Rilimo

Verheerungen im Körper anrichten, behalten habe ich nur die ‚Trichinen‘, weil ich davon zu meiner Schulzeit gehört habe.
Andere Parasiten wandern von den Füßen die Blutbahnen hoch und setzen sich in den Gelenken fest, befallen den Magen-Darm-Trakt, schädigen die Leber und so weiter. Unsere Kinder leiden unter eitrigen Ausschlägen auf dem Kopf, weil sie sich nicht regelmäßig waschen (können), unter Verletzungen an den Füßen, die sich entzünden, unter Augenkrankheiten, die zur

Fußkrankheit

Trübung einer Augenlinse führen, unter gewaltigem Vorbiß, der das Kauen erschwert und das Gesicht verzerrt, unter Fehlbildung an den Füßen, wie z.B. Klumpfuß; sie schielen, haben schon mit vier Jahren Karies an den Schneidezähnen, haben nie wahrgenommene Hüftschäden, sind fehlernährt mit dicken Bäuchen und sind immer fröhlich.
In Kirenge gibt es keine Gesundheitsstation. Es gibt aber

Erreger Schlafkrankheit (aus Wikipedia)

„Heiler“. Eine Heilerin ist sogar registriert. („Heiler“ in Rwanda müssen sich registrieren lassen und nachweisen, daß sie etwas von ihrem Handwerk verstehen. Nicht alle tun das, aber es gibt einige, die viel von Naturheilkunde verstehen und auch ans Gesundheitszentrum verweisen, wenn sie nicht weiterwissen). Diese Leute kann man mit Naturalien bezahlen.
Das Gesundheitszentrum im Kisaro liegt zwei Kilometer

Verbreitung der Schlafkrankheit

außerhalb in den Hügeln. (Wer da mit einem Malariaanfall hingehen muss, ist nicht zu beneiden!) Menschen, die überhaupt nicht mehr gehen können, werden von vier Männern auf der Krankenbahre getragen, ohne Regenschutz, manchmal über mehrere Stunden. Wenn du versichert bist, kostet eine

Larve des Hakenwurms (aus wikipedia)

Kosultation 200 RwF. Termine werden nicht vergeben. Wer zuerst kommt…
Als ich am Montagmorgen mit einem Kind um 8.00 Uhr dort ankam, warteten schon 35 Menschen… (manchmal ist es trotz aller Nervigkeit von Vorteil, Umuzungu zu sein…).
Das Personal, eine

Erreger der Bilharziose (aus Wikipedia)

Krankenschwester und eine Bürokraft waren ausgesprochen nett, den Doktor habe ich nicht zu Gesicht bekommen.

Aber am Besten erzähle ich die Geschichte der Reihe nach: Eine unserer Schülerinnen, Esperance – 10 Jahre alt – ist vor drei Wochen von der Schulmauer gesprungen und konnte in Folge das Knie nicht mehr bewegen. Laufen fiel ihr zunehmend schwerer.
Eine andere Schülerin, Immaculate – 15 Jahre, hatte vor zwei Jahren eine Operation am Bein, bei der ihr ein Stück Metall eingesetzt wurde. Sie klagte, vor allem bei Kälte, über Schmerzen.
Dann war dann noch Sonie aus der ersten Klasse im Alter von acht Jahren, die zu Hause viel Prügel bezieht, weil die Eltern trinken. Sie ist von Aniceto kurzerhand „zur Adoption freigegeben worden“ und lebt seit zwei Wochen bei der Mama der kleinen Arusura. Sonie hat mich adoptiert. In den Pausen weicht sie nicht von meiner Seite und wenn ich den Suzuki fahre, wartet sie, bis ich sie mitnehme. Sie bewegt sich sehr merkwürdig, seitwärts wie eine Krabbe und bewegt nur die Beine, nicht die Hüften.
Diese drei Kinder bedürfen also der Hilfe. Kosten darf es nichts, weil die Eltern dieser Kinder kein Geld haben.
Aniceto kennt aber Dr. Emmanuel, der die orthopädische Kinderklinik in Rilima (Ostprovinz) am See Rumira leitet. Die Klinik wird von einem italienischen Nonnenorden finanziert.
Leider ist sie vier Stunden Autofahrt, teilweise über Holperpiste, von Kisaro entfernt.
Am Samstagmorgen lud ich also die drei Kinder, Clementine, eine Kindergartenlehrerin als Dolmetscherin (sie spricht Französich) und die Mama von Esperance in den Zweisitzer-Suzuki und um vier Uhr morgens fuhren wir los, weil man Aniceto gesagt hatte, wir sollten um acht Uhr dort sein. Da sich Sonie vor lauter Aufregung unterwegs im Suzuki übergeben musste, waren wir erst um acht Uhr zwanzig dort, gleichzeitig mit dem Arzt. Es warteten schon etwa zwanzig Leute mit ihren Kindern, die alle sichtbare orthopädische Probleme hatten. Dann geschah zunächst nichts. Und das für fünf Stunden. Als alte Lehrerin hatte ich Puzzles (weitgehend unbekannt in Rwanda), pädagogisches Spielzeug und andere

Krankentrage

Unterhaltung vorbereitet (auch einen Pfeifkurs, der auf lebhaftes Interesse der Kinder stieß); nicht vorbereitet hatte ich leider Trinkbares oder Brot. Kaufen konnte man in der Nähe der Arztpraxis nichts, also fuhr ich ins Dorf, um Wasser einzukaufen. Selten habe ich in Rwanda soviel Ablehnung und Gleichgültigkeit zu spüren bekommen. Es gelang mir aber, drei Flaschen Fanta und Beignets zu kaufen und mit dem Wasser, das ich immer dabei habe, haben wir diese Stunden überstanden. Um halb zwei begann die Sprechstunde und um halb drei waren wir an der Reihe. Bei Esperance und Immaculate mussten noch Röntgenaufnahmen gemacht werden, das dauerte… die mussten dann auch noch begutachtet werden… Die Behandlung kostete für jedes Kind 1000RWF, die Röntgenaufnahmen zusammen nochmals 5000 Franc. Der Arzt war sehr nett. Er erklärte Sonie für orthopädisch gesund (sie habe große Angst, deshalb bewege sie sich so merkwürdig), Immaculate müsse in vier Wochen nochmals wiederkommen und Esperance habe eine Deformation der Kniescheibe und müsse in Kigali behandelt werden.
Um halb zehn abends, nach einer schrecklichen Fahrt (rwandische Fahrer kennen nur den Fernlichthebel an ihrem Auto, Fahrräder fahren bei Dunkelheit unbeleuchtet mitten auf der Fahrbahn, weil da insgesamt weniger Schlaglöcher sind) – das ergibt eine Kombination von Beihnaheunfällen und Völlig-blind-fahren, die ich nicht weiterempfehlen möchte – kamen wir in Kirenge an. Ich lud nacheinander alle Mitfahrerinnen aus.

Krankenhaus, 12-Bett-Zimmer

In Kisaro überlegten Anicet und ich dann, was mit Esperance zu tun sei. Wir beschlossen, sie in Kigali bei der Polyklinik vorzustelle. Da Dr. Emmanuel keinen Transferschein ausgestellt hatte, fuhr ich am Montagmorgen mit ihr zum Gesundheitszentrum. Dort stellte man einen Schein aus, aber nur für Byumba.
Bevor ich nach Byumba aufbrach, fiel Aniceto ein, dass er doch eine fabelhafte deutsche Ärztin kannte, die auch ohne Transfer helfen könnte… Die Ärztin ist wirklich fabelhaft, leider ist ihre Klinik in Gakoma, Südprovinz, an der Burundischen Grenze: sechs Stunden Fahrt, z.T. auf einer Piste, schlimmer als die von Byumba nach Kisaro, ich habe nicht geglaubt, dass das möglich ist.

Krankenhaus - Küche für die Angehörigen der Patienten

In Rwandischen Kliniken müssen Angehörige für die Patienten sorgen: kochen, putzen, waschen… So mussten wir der armen Mama klar machen, dass sie innerhalb einer Stunde packen, ihre anderen Kinder versorgen, Teller, Tassen, Gabeln einpacken, ihren Mann ins Gebet nehmen und Vorräte an Sorghum und Bohnen mitnehmen musste. Ihre größte Sorge war, dass sie keinen Kessel für zwei Personen hatte… Den haben Anicet und ich ihr dann in Butare gekauft. Wir mussten zu zweit fahren, weil Anicet einen akuten Ischiasanfall hatte und sechs Stunden Fahrt mit der Suzukischaltung nicht geschafft hätte und weil ich alleine auch nicht sechs Stunden auf diesen Strassen fahren wollte.
Etwas plötzlich fuhren wir also um ein Uhr los, waren um sieben Uhr am Ziel; nur um dort zu erfahren, dass die Ärztin zu einem Notfall gerufen worden war. Wir konnten die zukünftige Patientin mit ihrer Mutter aber in der Klinik lassen, auch ohne ausführliche Diagnose. Da die Beiden kein Abendessen hatten, schenkte ich ihnen eine angebrochene Packung Rwanda-Biskuits. Wir mussten die schreckliche Straße wieder zurückfahren, in Dunkelheit und mit großem Hunger und schafften es gerade noch, Zimmer bei den Schwestern „of the mother of verbs“ zu ergattern, bevor die zum Abendgebet gingen. Etwas gegessen hatten wir da aber immer noch nicht…

Sargträger

Am Morgen fuhren wir dann – ohne Frühstück – so rechtzeitig los, dass wir um sieben Uhr wieder an der Klinik waren. Unterwegs haben wir an der Strasse dann Brot für die Patientin und die Mutter gekauft und für uns auch – wir kamen allerdings nicht dazu, es zu essen, weil immer irgendwo Leute waren und dann isst man in Rwanda nicht.
Die Angehörigen der Patienten kochten Sorghumbrei, Gesichter wurden gewaschen, Schlafräume (unter beträchtlicher Staubentwicklung) gekehrt, und alle warteten geduldig auf die Öffnung der Praxis. Dieses Krankenhaus war besser organisiert als die große Klinik in Kigali. Medikamentenausgabe, Spritzenverteilung, Verbandswechsel, alles war getrennt voneinander gut bebildert und beschriftet, mit genügend freundlichem Personal, das offensichtlich wusste, was zu tun war.
Wir kamen auch ziemlich früh dran. Gottseidank stellte sich heraus, daß das Knie nicht so kaputt war, wie Dr. Emmanuel gemeint hatte. Dr. Uta diagnostizierte eine Entzündung und Schwellung, hervorgerufen von ständig wiederkehrender Angina. Sie behielt Esperance in der Klinik, um sie weiter zu beobachten, wir übergaben den Kessel, das Brot und 5000 Franc an die erleichterte Mutter und machten uns auf den Heimweg. Nachdem wir in Kigali Medizin für einen kleinen Jungen, der an einem Magengeschwür leidet, gekauft hatten (wobei die vom Arzt verschriebene Dosis von der vom Apotheker ausgegebenen stark abwich und jetzt niemand weiß, was richtig ist, weil der Arzt telefonisch nicht zu erreichen war), begann kurz vor der Straße nach Byumba der Suzuki Krankheitssymptome zu zeigen. Er spuckte, ruckelte und wollte eigentlich überhaupt nicht mehr weiterfahren. Aniceto überredete ihn, noch bis zu seiner Werkstatt zu fahren, wo Kerzenschaden diagnostiziert wurde. Der war nach zwei Stunden behoben.
Insgesamt ein zufriedenstellender Wochenbeginn, alle Patienten einigermaßen gesund, der Suzuki fährt wieder. Was will man mehr.

Bleiben zwei Fragen:
– was machen Kinder, die keinen Bruder Aniceto haben, der Behandlungen organisiert und bezahlt?
und
– wer wird Esperance und ihre Mutter wieder abholen?
Ich denke, eine Frage kann ich beantworten!

P.S. Ich habe einen Termin für die jungen Lehrerinnen und Lehrer (getrennt!) organisiert, bei der Fragen zur Familienplanung beantwortet werden sollen. Kostet 200 RwF pro Person mit kostenloser Pillen- und Kondomausgabe! Geht doch!

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JENOSIDE – Genozid in Rwanda

Jenoside

(seit dem 16. März 2011 mit einem englischsprachigen Anhang – der Lebensgeschichte von Prince.)

„Die Kirche steht zwischen Bäumen auf einem Hügel über der Stadt (Kibuye) oberhalb des ruhigen Blau des Kivusees. 4000 Tutsi hatten dort Zuflucht gesucht,

Kirche bei Kibuye

als ein Mob, betrunken von Bananenbier, Handgranaten durch die Türen und Fenster warf und dann hineinstürmte und die Menschen, die noch lebendig waren erschlugen und erstachen. Das dauerte ungefähr drei Stunden…“ (Lindsey Hilsum, Granata, 51)

Die Kirche , von der hier die Rede ist, steht in Kibuye, am Kivusee und ist umgeben von

Blick vom Kirchhügel auf den Kivu-See

wunderschöner, ruhiger Landschaft. Sie ist in den letzten Jahren wieder hergerichtet worden, eine Gedenkstätte ist außerhalb von Angehörigen der Opfer errichtet worden. Unter den Betonplatten liegen ungefähr 20000 Tote.

In der Kirche

Wenn du in der großen Kirchenhalle sitzst, das Licht durch die neuen, bunten Fenster hereinströmt und du der Stille zuhörst, kannst du gleichzeitig den Lärm des Tötens hören.

Die Gedenkstätte vor der Kirche

Das war im Jahre 1994, dem Jahr des “ Krieges“, wie die Leute hier sagen.
Der Jenoside war gut geplant, über eine lange Zeit hinweg:

Rwanda war – schon wegen der geographischen Lage- immer eine ziemlich nach außen abgeschottete Nation mit einer gemeinsamen Sprache, gemeinsamen Glauben und einer gemeinsamen Verehrung des „mwami“, des Königs. Drei Volksgruppen lebten (und leben) in dem Land: die Btwa (Jäger und Sammler, eine Minderheit, heute ca 1% der Bevölkerung),
die Bahutu (Ackerbauern, die Mehrheit der Bevölkerung) und die Batutsi (Viehzüchter, die Könige Rwandas kamen immer aus Tutsifamilien).
In einem System, ähnlich dem von Rittern und Bauern im Mittelalter, hier ‚ubuhake‘ genannt, entwickelte sich eine Gesellschaft, in der der Höherstehende dem Untergebenen Schutz und Fürsorge bot gegen Dienste und Feldfrüchte. Dabei entschied zunächst die Anzahl der Kühe darüber, wer „Tutsi“ war und wer “ Hutu“. So konnte ein Hutu, der tüchtig war oder wegen seiner Dienste vom König belohnt wurde, Tutsi werden, und ein Tutsi, der seine Kühe verloren hatte oder sonstwie ins wirtschaftliche Unglück gefallen war, wurde ein Hutu.

1916 übernahmen die Belgier nach einer kurzen deutschen Kolonisation (seit 1898, Deutsch Ost-Afrika) die Herrschaft im Land. Unglücklicherweise zwangen sie alle Einwohner Rwandas, ab 1935 „idendity cards“ zu tragen, auf denen nach der physischen Erscheinung, vor allem der Größe, vermerkt war, ob jemand ein Twa, ein Tutsi oder ein Hutu war. Diese (äußerst zweifelhafte) Klassifizierung war auch 1994 noch in Gebrauch und war manchmal der einzige Hinweis für die Mörder,  ob jemand sterben sollte oder nicht.

Nach der Unabhängigkeit 1962 wechselten die Regierungen rasch. Es gab überwiegend Huturegierungen, da die Hutu -trotz internationaler Warnungen, es könne zu einem Bürgerkrieg kommen- von den Belgiern favorisiert worden waren. Ausbrüche gegen Tutsi, die die intellektuelle Mehrheit bildeten, gab es immer wieder. Viele Tutsi und moderate Hutu flüchteten nach Uganda sowie in den Kongo.
1990 begann der damalige (Hutu) Präsident Habyarimana im großen Stil Waffen zu kaufen, große Mengen von Macheten und auch Handfeuerwaffen. Ab 1993 wurden kostenlose Radiogeräte an die ländliche Bevölkerung verteilt. Spezielle Radioprogramme mit beliebter Musik und populären Moderatoren beschrieben immer wieder die Tutsi als „den Feind“ und das in abscheulichen und entwürdigenden Worten.

Am 6. April 1994 wurde das Flugzeug, in dem Präsident Habyarimana -ein früherer General und Verteidigungsminister- zusammen mit dem Präsidenten Burundis von einer Konferenz zurückkehrte, abgeschossen. Bis heute weiß man nicht, von wem.

Nachweislich schon vorher geplante Massaker begannen danach innerhalb weniger Stunden. Schnell wurden Straßensperren errichtet, die Armee und die „interahamwe“ (eine paramiltärische Einheit von Hutumännern, trainiert in den Dörfern) begannen zu töten, zu foltern, zu vergewaltigen, zu plündern und zu zerstören. Ziele waren Tutsi und moderate Hutu. Alle Arten von Waffen wurden benutzt von modernen Militärwaffen bis zu rostigen Macheten. Befehle wurden mit großer Präzision und Geschwindigkeit weitergegeben: von der „préfecture“ zur „commune“, zum “ secteur“, zur „cellule“ und die Botschaft war immer die gleiche: „Das sind die Feinde. Tötet sie“

Blick von der Kirchmauer

Innerhalb von drei Monaten wurden fast eine Million Menschen getötet. Nachbarn erschlugen Nachbarn, Lehrer ihre Schüler, Priester Mitglieder ihrer Gemeinde. Kaum eine Familie wurde verschont.
Aber es gab auch andere Beispiele: Hutu, die ihre Tutsinachbarn versteckten, Hutu, die unter dem Vorwand, Tutsi zu umzingeln, diese auf versteckten Pfaden zur Grenze führten oder die sich strikt weigerten, ihre Nachbarn zu töten und das mit dem Leben bezahlten.

Die UNAMIR-Truppe der UN sah dem Morden hilflos zu. Nachdem einige belgische Soldaten getötet worden waren, wurde die Truppe von 2500 auf 250 Mann verringert. Das, obwohl der kanadische Befehlshaber der Truppe seine Vorgesetzten bei den UN schon frühzeitig auf ein bevorstehendes Massaker hingewiesen hatte.

Am 8. April begann die RPF (Rwandan Patriotic Front) von Uganda aus eine Offensive, um das Morden zu stoppen. Sie bestand aus nach Uganda geflüchteten

Die durch Machetenhiebe beschädigte Tafel zur Erinnerung an den Bau der Farm

Tutsi unter Befehl des Generals Paul Kagame, dem heutigen Präsidenten. Sie kamen vom Norden und halfen auf ihrem Weg zur Hauptstadt vielen versteckten Tutsi. Sie eroberten auch das ‚Centre de la Salle“ in Kisaro, wo Frère Cyrill damals schon eine Farm aufgebaut hatte. Das von Bajonetthieben zerstörte Schild hängt noch am Eingang.
Am 18. Juli 1994 erklärte die RPF den Krieg für gewonnen. Frieden kehrte aber erst richtig ab 1996 ein. Tausende Menschen aber starben bei Cholera-Epidemien in den Flüchtlingslagern in Zaire. Hutus, die in die Berge nach Zaire geflüchtet waren, formierten sich zu Guerilla-Truppen. Sie sind dort heute noch aktiv und richten unvorstellbare Massaker unter Dorfbevölkerungen an.
In Rwanda sind die Folgen des Jenoside auch heute noch überall sichtbar und spürbar.

Ein „National Trauma Survey“ der UNICEF veröffentlichte 1996 folgende Zahlen
(Schätzungen nach Befragungen von Kindern):
– 99,9% der Kinder waren Zeugen von Gewalt
– 79,6% beklagten Ermordungen in der Familie
– 69,6% sahen, wie jemand getötet oder verletzt wurde
– 61,5% wurden mit dem Tod bedroht
– 90,6% glaubten, sie müßten sterben
– 57,7% waren Zeuge, wie jemand mit der Machete getötet oder verletzt wurde
– 31,4% waren Zeuge von Vergewaltigungen
– 87,5% sahen Tote oder Körperteile von Toten
Die Kinder, von denen hier die Rede ist, waren damals zwischen drei und 14 Jahren alt. Sie sind heute im Alter von 19 bis 30 Jahren. Bei älteren Rwandern sind die Zahlen ähnlich.

Die Hutus verstümmelten viele ihrer Opfer, indem sie ihnen Gliedmaßen abhackten. Heute sieht man sehr viele Menschen in den Ortschaften, denen ein Bein oder Fuß, ein Arm oder eine Hand fehlen. Neulich traf ich im Bus einen Mann, dem beide Hände fehlten. Das bedeutet in einer vornehmlich von der Landwirtschaft lebenden Bevölkerung, dass diese Menschen nicht oder nur unter äußerst erschwerten Bedingungen arbeiten können. Und es bedeutet, dass sie hungern und oder betteln müssen.

Tafeln, die man immer wieder im ganzen Land findet und die auf Gedächtnisstätten des Genozids hinweisen oder mahnen, dass so etwas nie wieder geschehen darf.

Noch heute sind viele Rwander traumatisiert. Die überall eingerichteten Selbsthilfe-Zentren reichen bei Weitem nicht aus und nicht jeder kann oder will sie nutzen.
Spätfolgen dieser Traumatisierungen sind zum Beispiel ein tiefes Mißtrauen gegenüber anderen Menschen. Rwander sprechen nicht miteinander über Probleme, man lädt sich nicht gegenseitig ein. Es gibt plötzliche und unerwartete Ausbrüche von Aggression – wie bei einem Lehrer unserer Schule, der plötzlich begann, Kinder zu schlagen und dem schließlich gekündigt werden musste.

Dazu kommt, dass heute die Täter von damals aus den Gefängnissen entlassen werden und auf ihre Hügel zurückkehren, wo Täter und Opfer dann nebeneinander wohnen.
Die Regierung trägt mit ihrem Beharren auf die Lesart „Mord an den Tutsis“ auch nicht zu einer Entkrampfung bei, da die moderaten Hutu, die auch getötet wurden und gelitten haben, nicht erwähnt werden. Offiziell gibt es in Rwanda heute nur Rwander – keine Hutu, Tutsi oder Twa mehr, was besonders den Twa Unrecht tut, da ihre Minderheit keine traditionellen Bräuche mehr ausführen darf.

Am letzten Samstag im Monat ist immer „umuganda“. Da haben alle Geschäft geschlossen, die Busse fahren nicht und die Menschen verrichten gemeinsam Arbeiten für die Gemeinschaft. Das hat eine lange Tradition in Rwanda und ist nach dem Jenoside wiederbelebt worden. Ob der Gemeinsinn dadurch gestärkt wird, kann ich nicht beurteilen. Ich höre aber, vor allem hier in den nördlichen Bergen, viel gemurmelte Unzufriedenheit und Misstrauen gegenüber der Regierung. Es gibt sicher einiges zu bemängeln, wie regiert wird. Aber sicher ist, dass Ruanda im Moment ein auf Wachstum ausgerichtetes, die Korruption bekämpfendes, für Bildung sorgendes Land ist, das in der Ost-Afrikanischen-Union sehr gut da steht, obwohl es wenig Bodenschätze und daher auch wenig Geld hat.

Anmerkungen zu diesem Bericht von Rolf Ohly:

-Wenn man die Freundlichkeit bedenkt, mit der ein Ausländer empfangen wird, ist der Genozid für diesen noch unbegreiflicher, als er so schon ist.

-Das Königreich Rwanda war über Jahrhunderte stark abgeschottet sowohl gegenüber anderen Stammesgebieten als auch in sich selbst. Schon in der vorkolonialen Zeit gab es Auseinandersetzungen zwischen Hutu und Tutsi.

-Vermutlich überwog aber in der vorkolonialen Zeit eher das Neben- und Miteinander als das Gegeneinander.

-Die Kolonialpolitik insbesondere Belgiens war äußerst fatal, denn sie verschärfte schon bestehende soziale Spannungen, indem zur Erschließung des Landes Zwangsarbeit eingeführt wurde, die fast ausschließlich Hutu zu leisten hatte. Insbesondere aber wurde eine soziale Gliederung der Bevölkerung in ethnische Merkmale (so auch schon unter deutscher Kolonialherrschaft) umgedeutet.

-Erst dadurch entstand eine äußerst verkrustete Tutsi-Oberschicht von etwa 15% der Bevölkerung, die erfolgreich versuchte, Hutu weitgehend von Bildungsmöglichkeiten und einflussreichen Stellungen fern zu halten. Dabei spielte auch die Katholische Kirche eine bedenkliche Rolle, denn sie förderte vor dem 2. Weltkrieg einseitig die Tutsi.

-Die Bevorzugung der Hutu-Mehrheit durch die belgische Kolonialpolitik ab Mitte der 50er Jahre mit der Begründung, das entspräche eher demokratischen Verhältnissen, hatte wohl mehr mit dem Wunsch Belgiens zu tun, auch zukünftig großen Einfluss auf das (ehemalige) Treuhandgebiet ausüben zu können. Die Katholische Kirche wandte sich in dieser Zeit ebenfalls den Hutu zu, jedoch erkennbar mit der Absicht, diese unterpriviligierte Gruppe zu fördern. Dadurch entstand aber auch ein einflussreicher katholischer Klerus, der sich überwiegend aus dem Hutu-Lager rekurrierte.

-Beide Bevölkerungsgruppen -insbesondere aber die Hutu- argumentieren in dieser Phase der Dekolonialisation mit ethnischen Merkmalen. Es gibt immer wieder heftige Auseinandersetzungen.

-International wurde schon früh auf die sich dadurch verschärfenden Spannungen hingewiesen. Als Belgien abrupt einen übergroßen Teil der Tutsi in der Verwaltung durch Hutu ersetzt, kommt es wenige Jahre später zur so genannten Hutu-Revolution und zur Unabhängigkeit von Belgien im Jahr 1962 unter einer Hutu-Regierung.

-Belgien anerkennt die Hutu-Regierung sofort. UNO und Weltöffentlichkeit befürchten dagegen eine ethnische Diktatur.

-1963 bricht ein mörderischer Bürgerkrieg zwischen den Volksgruppen aus; es kommt zu zahlreichen Massakern an Tutsi. Nach Massakern im Nachbarstaat Burundi an Hutu und einer Wirtschaftskrise in Rwanda erhalten die extremistischen Flügel beider Lager Auftrieb. Ins Ausland vertriebene oder geflüchtete große Gruppen von Tutsi, die zurückkehren wollen, destabilisierten die Situation zusätzlich.

-Belgien, Zaire und insbesondere Frankreich unterstützen bis 1993 durch Soldaten und massive Waffenlieferungen die Position der radikalen Hutu bzw. der Hutu-Regierung. Ab dieser Zeit stacheln Hutu-Funktionäre in widerlichster Weise die Bevölkerung auf, Morde an Tutsi  zu begehen.

-International gilt zu diesem Zeitpunkt Rwanda als strategisch uninteressant.

-Sowohl die USA als auch die UN unter Führung von Boutros Boutros-Ghali können sich 1994 nicht zu einem entschiedenen Eingreifen entschließen. Belgien und Frankreich, die sich inzwischen von der Hutu-Regierung abgewandt haben, sind nur bereit, Ausländer in Sicherheit zu bringen, nicht aber Ruander. Auf beiden Seiten des Bürgerkrieges werden massive Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen.

Anhang mit dem Bericht von Prince (mit freundlicher Erlaubnis von Victor Monroy)

L’Esperance Children’s Aid Rwanda ,Children’s Village Kigarama, January 2011

LIFE STORY OF PRINCE

Most of the people all over the world don’t believe how people killed each other without any motive and more than one million people from Rwanda died during the Genocide. I am one of the survivors of the Genocide and I would like to relate to my friends how I survived and how I lost my whole family. Now the story started in my childhood.

THE POOR IDEOLOGY IN THE MIND OF THOUSAND OF RWANDANS BEFORE 1994

Before 1994, the attitude of Rwandans was somehow strange. There was no equality between men and women. The males were looked at as gold while the females were not valuable at all. That poor attitude was revealed whereby parents could send the boys to school and left girls at home doing housework. This mistreatment caused many divorces as those women who could give birth baby girls were not valued. When a woman bore a female as her first born she was considered as a disgrace and could be dismissed immediately. Any man who could not follow this attitude could not be allowed to have a word in front of his fellow men. To avoid this was to follow what other men were doing. According to their attitude, if a wife produces a boy as her first born and a girl as the second born they could not take care. All women were always worried about what would happen to their first born.

POOR FATHER OF PRINCE

This problem happened to my father, he got married to the first wife who got a female baby and she was sent away. My father married another woman, and the story was the same up to the sixth one. The seventh woman was my mother who got a chance to bear a wonderful boy whose name is Prince. My father stayed much longer without being successful. He was ashamed of not having any boy to inherit his property. Thus, the neighbors were very happy because they knew they would be the ones to take the property. You can imagine how my father got highly delighted when he was blessed with the little boy Prince. He invited all the neighbors who used to make fun of him to show them that what was unbelievable had become the reality. My father met my mum when he was old. He himself had no hope to find what he desired for many years until he married the seventh woman. That’s why half of people were happy and the other one was grinding their teeth that this little prince will inherit everything. Within six month, our neighboring enemies started trying all the possible ways to kill my mother due to jealousy.

THE WEEPING DAY

It was evening when the sun went down, my mother went to her friend to ask for matches, so that she could start cooking an evening meal. Her friend had already prepared banana juice. She gave her a cup of juice unfortunately there was poison in it . You can wonder why that woman poisoned her friend . My mum was betrayed by my dad’s enemies. Their plan was to kill my mother so that I would also die. That is what happened to my mother after taking such a cup of juice without being aware of it. She came back home with matches, after a short time she started having a lot of pain in the stomach she was crying out for help. Unfortunately people who came didn’t know what to be done, while asking one another what happened. Only moments later, my father got to home. There couldn’t be any other way to come out that miserable event; suddenly they decided to take her to Mugonero Hospital.

The relatives from my mum were very close to Mugonero and my father had the baby of six month in his arms, accompanying his wife to the hospital. As my mother was born close to Mugonero Hospital, her mum had already known what had happened to her daughter. People who carried my mother to hospital arrived there when my grandma was already there. The doctors and nurses from the hospital desperately tried to save her life, but within five minutes my mother died. My father got crazy until he wanted to kill himself by drowning in the Lake Kivu. Therefore, my grandma took away the baby from the hands of my father and showed the relatives where to bury the dead. After the burial, my father promised my grandma to help the motherless baby whose name is Prince. After all that my father went back home.

AFTER THE DEATH OF MY MUM

My father was alone at home, always having many conflicts with his neighbors. His enemies were used to get drinks and talk in the bar about what they had done. This story took almost two years until it was forgotten in the minds of people. Sometimes, my elder step sisters came from time to time to spend their time mourning in order to be closer to him. Eventually, my father got used to be alone in the house especially at night. These enemies reached their goal, but they couldn’t stop hunting my Daddy’s life too. They shared any kind of food and drinks but with hatred in their hearts. One day, my father got drunk and slept deeply in that little house when his enemies knew that he got drunk they came in the mid night to kill him. While asleep, they closed his mouth so that he could not cry out for help. They cut the head with the machete and ran away. Unfortunately nobody knew what happened to him. People knew it on the second day: They thought that he might be sick and did not manage to get out from the house. When they came to check on himthe bad smell welcomed them at the entrance of the door. They found the head away from the body. They went out crying for the help and the authorities came and buried him in that house. At that moment, the authorities started jailing everyone for the investigation. At that time I was already two and half years old. Of course people around knew everything but they kept quiet.

MY LIFE WITH MY GRANDMOTHER

I grew up at my grandmother when I thought that my grandmother is my real mother. My grand mother was so old and her children were already married. I was a spoiled child due to how my grandmother treated me. When I was five years old my grand mother got seriously sick and was taken to Mugonero Hospital. She stayed there only three days and passed away. But before she died, she managed to gather all her children and told them only one thing “take care of Prince” and she passed away. From that moment on, my orphanhood started due to the mistreatment of my uncles and aunts.

THE WORST TIME DURING THE GENOCIDE

Even though I was mistreated life went on and I faced tough situations. In the country there were conflicts between tribes. The three tribes were looking at each other in a mischievous way, especially Tutsi and Hutu. In 1959 in the reign of the kings, most of the kings came from the Tutsi tribe. Which means , the Tutsi tribe was proud of that. Since they were the one who had power, they could treat their fellow tribes like slaves. Therefore, the Hutu wanted to get out of the slavery so they revolted until they chased away the reign of kings. Thus, most of the Tutsi’s power disappeared and a lot of them became refugees to different countries. Suddenly the kings disappeared and the presidential reign appeared. That system encouraged Hutu to speak up. Even though it was like that for one side of the country the Hutu tribe kept an eye to the Tutsi tribe thinking that their fellow countrymen were planning to bring them back into slavery again. After many more years of relative freedom, the conflict erupted 1994 with the death of the former president Habyarimana.

THE TERRIBLE NIGHT

It was at nighttime when one of my two uncles, came home quickly while we were playing. He asked us to keep quiet. He was trembling and he told my aunt that the president HABYARIMANA is dead saying that the airplane was shot. To put matters worse it was done by Tutsi, said my uncle to my aunty.

We were told not to sleep in the house because of the revenge of the other tribe, the Hutu. We were so frightened and could not sleep anymore. A few moments later, we heard strange noises and were obliged to keep a watchful eye. We left home to go to the coffee plantation to hide ourselves . Before the dawn came, we came back home. During that day people behaved as if nothing had happened, Rumors spread saying that there were thieves robbing people. Still on radio they broadcasted that the Tutsi who wanted liberation had shot the president. It was like a strange game where nobody knew what went on. The authorities around told everyone to comfort each other. On the second night we saw the smoke from the houses burning at the same place. Hutu had a meeting in the middle of the night while Tutsi were in bush hiding. They could not see how the neighbors were crying without any help or a word to calm them . Even though the authorities behaved as if nothing happened and tried to calm us down people already felt what was about to take place as they had been planning to kill Tutsi . Because some of the Hutu warned us telling us the aim of their meetings after two days we stayed at home during the day. When the day got dark we went to the bush. Then on the third day the situation became worse and worse, seeing one person killing another one without saying anything. At that moment we decided to move out of our houses and went where we thought we could be protected. People where starting to get killed everywhere in the country. Everyone who managed to escape came to us to Mugonero Hospital. They would have already come to kill us on the spot but the government gave them a warning that they should first kill the ones who could defend themselves and come afterwards to those who are together in churches or hospitals. Before we went to the hospital I asked my uncle if he would join us to the hospital and he refused claiming that no matter he was not afraid of dying. He kept hiding in a little bush which was close to the house. When he felt hungry he went out off the bush where he was found eating bananas. There was a deep toilet and they lifted him up and threw him into the toilet and reported him dead. We stayed at the hospital waiting for our last minute. I was together with all the pastors and their children. if I estimate people with whom was, it was almost about five thousand people.

A PASTOR WHO DID NOT WANT TO BE SEPARATED FROM HIS WIFE

There was a pastor who got married to Tutsi woman. When all the relatives of the pastor’s wife had been killed, she told her husband: “My mum, my dad, and my all brothers have already been killed by your tribe. Please take our kids back I’m going to my people who are waiting for the last minute to die”. She went away and her husband ran after her and said “please remember I begged you to become my wife which means that I never cared which tribe you are of. Remember that I’m a pastor, we are all the creatures of God. If you go there I will come with you. If you die I will also die with you”. The pastor followed his wife to die. During the time we were at the hospital, we spent day and night crying for the help. We appreciated our wonderful God who gave us enough time to repent regarding to whatever we did during the peaceful time. Day after day we heard and saw how people killed each other on the top of the hills, hunting people who were in caves, running after them and killing. We had been waiting for our last minute. We spent two weeks waiting for that and the last day the pastor told us to go to anyone we had quarreled with at some point in order to beg for forgiveness. The speech comforted us. We prayed day and night to have salvation from the almighty God..

DECLARING OUR DEATH

While we were hiding in the hospital, we got a letter from our enemies declaring that Saturday anyone who will be found in the hospital has to prepare himself or herself for the fight. After reading that letter, we began saying our goodbyes. Some of the people did not confirm and accept the defeat declaring that they have to face them and win the fight. The following morning around 8 o’clock , we saw people coming to us with their heavy tools of war and suddenly the strongest men and boys from the team I was with could not accept the defeat. They had to fight them. Since our team was so weak due to the small number, many of them died. And the rest accepted the defeat and ran away. After realizing that nobody was still able to fight they came directly to the church where we were hiding. A pastor who was with us told us to close the eyes for the short prayer. They started killing those who were hiding in the hospital while others were surrounding the church to stop any of us to escape. After the killing in the hospital, they came to the church where I was. When the other pastor who had married the Tutsi woman saw them coming to the church he started pleading to first let him go out because he was a Hutu. They told him to get out. He took his wife and went outside.

MIRACLES OF MIRACLES

When I saw the pastor and his wife going out I also followed them. Unfortunately when I reached the exit I was stopped by those people asking which tribe I belonged to. By then I started shivering and could not get any answer out. One of them said: “no doubt this is a Tutsi”. Before he had finish saying this, one of them had already risen up his machete to cut my head off. Fortunately on of the Hutus shouted in loud voice: “please don’t kill him, he is my son”. They started arguing about the statement but finally they had to accept and the man took me to sit under a tree as I was to wait for him. They entered the church and killed everyone who was inside. Thereafter he came and took me to his home. I did not know the man but the man knew me as he was one of my father’s best friends. He kept me in his house until the genocide was over. When he heard that there was an organization helping the orphans called L’Esperance Children’s Aid, he took me there. I grew up there until I was given responsibility to look after the orphans myself.

CHALLENGES BEING FACED

Today, January 2011, I am married and we are blessed with two children, a boy and girl. I was got the responsibility to serve in the orphanage before completing my studies for the following reasons: The former directors used to cheat the orphans because they were interest to make their own profits. They only thought about how to make benefits from the children. The orphanage had financial problems so they were not able to pay reasonable salaries relating to the hard work they were facing. The people working there were tempted to steal and cheat and the ones suffering from this were the orphans. Therefore I started working myself, helping my brothers and sisters without paying attention to the payment. My wife is teaching primary school but the government is dismissing those who do not have a degree. My wife is also one of them, which will put me into huge financial problems. The idea was to send her to university in the future but unfortunately there are no means.

Prince Sindikubwabo

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Prince Sindikubwabo run the Children’s Village Kigarama three years long. Since July 2005 he is working very close together with the present director of the orphanage, Victor Monroy. Prince will take over in three more years and he will be the director of L’Esperance Children’s Aid Rwanda. If you would like to support us, please contact us. We appreciate enormously your help and support.

With many warm greetings from the hills of Rwanda,

Your friend,

Victor Manuel; Victor Monroy, Director; L’Esperance Children’s Aid Rwanda

Children’s Village Kigarama; P.O. Box 5026 Kigali, Rwanda. Tel. +250/0788545731

Email: lesperancerwanda@aol; Web: http://www.lesperancerwanda.org;  www.victormonroytrust.com

Our Bank Account….

Name of the Bank: BANK OF KIGALI; Address of the Bank: P.O. BOX 175 KIGALI, RWANDA; Code Swift: BKIGRWRW; Account’s Name: VICTOR MONROY C/0 L’ESPERANCE CHILDREN’S AID; Account’s Number: 0 40 – 0 20 69 65 – 97 / EUROS; Correspondat: FORTIS BANQUE BRUXELLES  (for Europe); DEUTSCHE BANK.TRUST COMPANY. NEW YORK. (USA); Note: the banks in Kigali does not use the IBAN (International Bank Number)

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Tagung in Tansania

Anfang März fand in Tansania ein Zwischenseminar für Freiwillige aus sechs ost-afrikanischen Ländern statt. 37 Freiwillige und drei „Teamer“ aus Deutschland trafen sich in Bagamoyo am Indischen Ozean, 80 km von Dar-es-Salaam entfernt.

Kolonialarchitektur in Bagamoyo

Bagamoyo war bis 1924, als der Sklavenhandel endgültig beendet wurde, eine bedeutende Stadt mit prachtvollen Bauten und starken arabischen, indischen, deutschen und britischen Einflüssen. Es war auch Hauptstadt von Deutsch-Ost-Afrika.
Man kann heute noch das Fort aus dem Jahre 1868 sehen oder die schönen arabischen Schnitzereien an den verfallenden Türen der einstmals prachtvollen Häuser. Bagamoyo verlor

Bagamoyo Fischerboote

an Bedeutung, als der Hauptsitz des Gewürzhandels nach Dar-es-Salaam verlegt wurde.
Heute ist der Ort ein verschlafenes Fischerdorf mit feuchtheißem Klima und Milliarden Mücken. Aber für uns Freiwillige war es richtig schön!

Wir waren auf dem alten Missionsgelände etwas außerhalb des Ortes bei den Spiritanern untergebracht, fast schon luxuriös mit Dreibettzimmern, fließendem (kalten)

Fischfang

Wasser und Dusche und Moskitonetzen mit nur relativ kleinen Löchern. (Wenn ich zurück bin, kaufe ich mir Anteile an Firmen, die Repellents herstellen – drei solcher Tagungen mit dem entsprechenden Verbrauch treiben jede Aktie nach oben!)
Neben der Tagung, die wirklich interessant war und bei der auch heftig gearbeitet wurde, waren natürlich der Indische Ozean und der Strand mit Kokospalmen und Fußball spielenden Kindern das Beste und das Wasser war so warm, dass man eine warme Dusche nicht vermisste.

Deutsche Kolonialvergangenheit

Da ich aus naheliegenden Gründen auf die 36-stündige Busfahrt von Kigali aus verzichtete und das Flugzeug nahm, hatte ich das Glück auf dem Rückflug am Kilimandscharo vorbei zu fliegen. Das ist wirklich ein eindrucksvoller Berg und Schnee gab es auch auf ihm!

Hier einige Infos zu Bagamoyo aus Wikipedia: (…) Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts war Bagamoyo

Fischerboot

ein kleiner unbedeutender Handelsort, in dem Fisch, Salz und Baumharze gehandelt wurden, die Bevölkerung aber vorwiegend aus Fischern und Kleinbauern bestand. Ende des 18. Jahrhunderts wurde es Handelshafen für Elfenbein und Sklaven, die vom Hinterland aus den Regionen um Morogoro, den Tanganjikasee und Usambara herangeschafft und auf Boote nach Sansibar umgeladen wurden. Dies erklärt auch den heutigen Namen der Siedlung, denn Bagamoyo („Bwaga-Moyo“) bedeutet „Leg dein Herz nieder“ auf Swahili, weil die Sklaven, die auf Dhaus nach Sansibar verschleppt wurden, ihre Heimat niemals wiedersahen.

Fort Bagamoyo (aus Wikipedia)

Als im Jahr 1840 der Sultan von Oman, Said ibn Sultan, seine Hauptstadt von Maskat nach Sansibar verlegte, wurde Bagamoyo das Tor der Araber zum Landesinnern. 1873 wurde der Sklavenhandel offiziell abgeschafft, blieb aber faktisch bis zum Jahrhundertwechsel bestehen.

Im Jahr 1868 überließen die Muslime von Bagamoyo den

Alte Holztür

„Vätern des Heiligen Geistes“ Land für die Errichtung einer Mission im Norden der Stadt, der ersten katholischen Missionsstation in Ostafrika. Dies geschah gegen den Widerstand der einheimischen Zaramo (Volk)-Bevölkerung, der nach Intervention des französischen Konsul von Sansibar aber zuerst von Sultan Majid bin Said und nach 1870 vom Sultan Bargash niedergeschlagen wurde.

Ufer bei Bagamoyo

Ursprünglich diente die Mission als Zuflucht für Kinder, die der Sklaverei entkommen waren; es entstanden jedoch bald eine Kirche, eine Schule, Werkstätten und landwirtschaftliche Einrichtungen.

Bagamoyo war jedoch nicht nur Handelszentrum für Sklaven, Elfenbein und Kopra, sondern auch Ausgangspunkt für Expeditionen angesehener europäischer Forscher. Von Bagamoyo aus machten sie sich auf die Suche nach den Quellen des Nil und erforschten

Grabstein

Afrikas Binnenseen. Zu ihnen gehörten zum Beispiel David Livingstone, Richard Francis Burton, John Hanning Speke, Henry Morton Stanley, Franz Stuhlmann, James Augustus Grant und Friedrich Bohndorff.

In den Jahren 1888 bis 1891 war Bagamoyo Hauptstadt von Deutsch-Ostafrika, ehe der Sitz der Zentralverwaltung aufgrund des tieferen Hafens nach Dar es Salaam verlegt wurde. Bagamoyo blieb Sitz einer Bezirksverwaltung. Die deutsche Zeit Bagamoyos endete 1916 nach dem Einmarsch britischer Truppen im Zuge des Ersten Weltkrieges.

Heute lebt Bagamoyo überwiegend vom Fischfang und von der Landwirtschaft. Dhau-Segelboote werden am Strand noch auf traditionelle Weise hergestellt. Die oberste

Bagamoyo Fish Market (aus Wikipedia)

Denkmalbehörde von Tansania hat Maßnahmen eingeleitet, die Baudenkmäler in und um Bagamoyo zu erhalten und die Stadt neu zu beleben. International bekannt ist heute das Bagamoyo College of Arts (“Chuo cha Sanaa”), an dem traditionelle tansanische Kunst, Tanz, Schauspiel und Musik gelehrt werden. Nach dem Neubau einer Straße von Dar es Salaam nach Bagamoyo steht das 21. Jahrhundert auch im Zeichen des aufkommenden Tourismus. (…)

Zu Bild „Deutsche Kolonialvergangenheit“ hier ein Auszug aus Wikipedia zu Kreuzer „Schwalbe“:  (…) Am 20. November (1888) verließ die Schwalbe die heimatlichen Gewässer und ankerte am 31. Dezember vor Sansibar. Ab diesem Tag gehörte das Schiff zum Ostafrikanischen Kreuzergeschwader (…). Am 3. Januar 1889 beschoss der Kreuzer ein Lager der Aufständischen nahe Bagamoyo und brach anschließend Richtung

Kleiner Kreuzer "Schwalbe" (Bild Bundesarchiv)

Daressalam auf. Am Folgetag lief die Schwalbe vor Kunduchi auf ein Korallenriff auf und kam erst am 6. Januar durch die Unterstützung der SMS Leipzig und des britischen Dampfers Woodcock wieder frei.

Der Kreuzer kehrte nach Bagamoyo zurück und unterstützte dort (am) 3. Februar mit seinen Geschützen die Landtruppen. Anschließend war die Schwalbe an der Blockade der Küste beteiligt und zunächst zwischen Ras Kimbiji und Kiswere, ab dem 1. März zwischen Mafia und Kilwa Kivinje eingesetzt. Im März wurden mehrfach Ziele an Land unter Beschuss genommen. Am 27. März erfolgte ein Angriff der Landungskorps der SMS Carola, der Leipzig und der Schwalbe unter der Führung des Schwalbe-Kommandanten (…) auf Kunduchi, ebenso am 8. Mai auf Bagamoyo. Es folgten weitere Einsätze während der Gefechte bei Saadani am 6. Juni und am 8. Juli bei Pangani.

Nach einem Erholungsaufenthalt vor Port Louis vom 20. Juli bis zum 17. August war die Schwalbe ab Ende August wieder an der Blockade der Küste beteiligt. In den nachfolgenden Wochen hielt sich der Geschwaderchef öfter an Bord auf und setzte den Kreuzer für Sonderaufgaben ein. Vom 7. bis zum 13. Oktober nahmen die Schwalbe und das britische Kanonenboot HMS Mariner die geographische Festlegung der Nordgrenze der deutschen Kolonie an der Küste vor. Neben weiteren Einsätze gegen die Aufständischen war der Kreuzer Anfang Dezember am Empfang der Stanley-Expedition sowie vom 27. bis 29. Dezember an der Grenzregulierung mit Witu beteiligt (…).

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Katastrophen?

Kleine und große Katastrophen

Normalerweise gibt es hier in Kirenge keine starken Winde. Aber in der letzten Woche hat eine sehr heftige Regenwindböe

Das zerstörte Dach des Kindergartens

ausgerechnet das (fast neue) Dach des Kindergartens erwischt und es auf die Hälfte gefaltet. Gottseidank waren die Kinder gerade nach Hause gegangen, nur die Lehrer waren noch da, hielten sich aber in einem anderen Raum auf. So wurde niemand verletzt, außer dem ohnehin schon nicht üppigen Inventar, das von der Sturzflut vollends vernichtet wurde.
Vermutlich war das Wellblechdach nicht fachgerecht verlegt und befestigt. Aber die Frage nach Regress wurde

So kann der Raum nicht mehr genutzt werden

nicht beantwortet – niemand fühlt sich zuständig. Der Mensch, der das Dach vor acht Monaten gebaut hatte, geht nicht mehr ans Telefon – so steht die Schule mit dem Schaden alleine da. Die große Frage: Wo soll der Unterricht für die zwei heimatlosen Klassen stattfinden? wurde nach einigem Hin und Her so beantwortet: In der Pausenhalle der Schule wurden mit großen Planen zwei Räume abgeteilt. Dort arbeiten jetzt Maternelle 2 und 3.
Mittagessen gibt es im verbliebenen

Die umfunktionierte Pausenhalle

Rest der Pausenhalle. Da dort keine Tische stehen, bereiten Lehrer die Avocados so vor, dass man sie mit der Gabel essen kann. Wer je 70 reife Avocados geschält und zerkleinert hat, weiß, was das heißt!

Gegenüber der Schule steht ein ziemlich verfallenes Haus, bestehend aus drei parallel zueinander gebauten Hütten. Frère Aniceto hatte es mit angrenzendem Land gekauft, um es später gegen ein Stück Land hinter der

Jetzt wird so gegessen

École Maternelle zu tauschen, damit dort der Schulraum erweitert werden kann. Der Eigentümer dieses Grundstücks witterte aber plötzlich, aufgestachelt durch einen Lehrer der öffentlichen Schule, das große Geschäft und verdoppelte den Preis, den er noch haben wollte. Da unsere Schule -entgegen der allgemein vorherrschenden Meinung- nicht über unbegrenzte Geldmittel verfügt, zerschlug sich also der Tausch. Was tun? Ich schlug vor, das Haus

Lehm für Ziegel wird zubereitet

umzubauen und in eine Bleibe für zukünftige Freiwillige und Gäste herzurichten.
Nun zeigte es sich, dass „Hausbesetzer“ eingezogen waren. Und da der Bruder Aniceto eine Mutter mit Kleinkind nicht auf die Straße setzen konnte noch wollte, wurde

Holzform für Lehmblöcke

kurzerhand um Beide eine Mauer gezogen, eine Tür eingesetzt und ein Dach aufgelegt. So wohnen sie jetzt im Vorhof, während 12 „maçons“ im Augenblick beschäftigt sind, Wassergräben zu ziehen, Fundamente für Mauern zu bauen und die Lehmfußböden aufzuhacken, damit sie zementiert werden können. Auch die nötigen unterschiedlich großen Lehmblöcke werden selbst hergestellt.
Im September soll alles fertig sein. On

Lehmblöcke werden getrocknet

vais voir!

Aus der Gube, in der jetzt die Lehmziegel hergestellt werden, wird dann eine Sickergrube, die zur Biogas-Gewinnung benötigt wird. Dazu reicht allerdings ein Freiwilliger allein nicht aus, da müssen noch ein paar Kühe her!
Man sieht, aus mittleren Katastrophen kann doch noch Gutes entstehen.

Auch für Mahoro! Die Kinder der Schule haben je zwei T-Shirts aus Baumwolle

Arbeiten zum Umbau des Hauses

von mexikanischen Unterstützern der Schule bekommen. Leider haben diese Gönner für die Lieferung der zweiten T-Shirt-Ladung eine andere Farbe gewählt; so hat jetzt jedes Kind ein graues und ein orangefarbenes Shirt.
Damit alle Kinder sauber und ordentlich aussehen (und einheitlich) gibt es also jeden Tag Hemdenwechsel: Montag orange, Dienstag grau…, so kann das jeweils andere Shirt gewaschen werden (manchmal erscheinen die Kinder morgens noch ziemlich feucht in der Schule!). Wenn jetzt ein Kind sich im Wochentag vertan hat, muss es sich für 10 RWF (0,01 Cent) ein „richtigfarbenes“ T-Shirt leihen oder nach Hause gehen und sein eigenes holen.
Zurück zu Mahoro: er hatte sein orangefarbenes Shirt vergessen, konnte aber nicht nach Hause gehen, weil er zu weit weg wohnt. 10 Franc hatte er auch nicht – was tun?
So verkaufte er seinen „bic“ für 10 Franc an einen Kumpel, der seinen Kugelschreiber vergessen hatte. So weit, so gut. Was Mahoro nicht bedacht hatte war, dass er in der Schule auch schreiben muß – also holte er sich in seiner Not seinen „bic“ zurück, das aber gefiel dem Kumpel nicht. Rwandische Kinder prügeln sich selten, zumindest in unserer Schule, aber hier standen die Zeichen auf Sturm. Nun prügeln sich Rwandische Kinder nicht nur nicht, sie reden auch nicht miteinander (zumindest nicht über wichtige Dinge), vor allem nicht mit einem Lehrer, schon garnicht, wenn es sich um Ursula handelt und man Englisch sprechen muss.

Mediation half also nicht. Übersetzen konnte auch niemand. So mussten die Kontrahenten nebeneinander sitzen, bis die Lehrerin herausfinden würde, was los war. Der Unterricht ging weiter, die Beiden konnten nicht mitschreiben – sie hatten ja nur einen strittigen „bic“. Nach zwei Stunden lösten sie das Problem „afrikanisch“: sie begannen zu kichern und zu palavern und ließen Unterricht Unterricht sein. Ihre Lehrerin benötigte aber noch einige Zeit, um herauszufinden, was passiert war. Ergebnis: Für Mahoro fand sich an diesem Tag noch ein Leihstift. Dann durfte er in der Schule diverse Hilfsarbeiten ausführen, für die er 10 Franc erhielt. So konnte er schließlich seinen Stift zurückkaufen. Jedem war geholfen – wo ist das Problem?

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Schönheit – oder wie ich lernte ohne Spiegel zu leben

Ich glaube, überall auf der Welt wollen Menschen „schön“ sein, auch wenn die Definition davon, was „schön“ ist, manchmal weit auseinander gehen.

Ladies Fashion Shop

An manchen Orten der Welt ist es auch ziemlich schwierig, dem Schönheitsbegriff gerecht zu werden. Hier in Ruanda gilt man als frisch gewaschener Mensch in sauberer Kleidung und nicht zu streng riechend als „schön“. Wenn man als Frau dann noch glatte Haare oder wenigstens lange (künstliche) Zöpfchen hat und hochhackige (!) Schuhe trägt (bei den Wegen! Aber man muss halt Opfer bringen), ist man der Schönheit ein ganzes Stück näher.

Wobei das mit dem Waschen nicht immer ganz so einfach ist. Ich bin ja privilegiert,
weil ich Wasser im Haus habe (und für den Fall, dass es nicht läuft, jemand einen Kanister mit Wasser vorbeibringt), aber das haben die meisten Menschen hier nicht.

In meinem Fall muss ich morgens nur aufpassen, dass ich beim Haarewaschen nicht

Seife und Co.

zuviel Shampoo nehme, weil ich das nicht ausgewaschen bekomme (vor allem mit kaltem Wasser) -ich wundere mich immer wieder, wie wenig Shampoo man braucht!- und ich muss mich innerlich rüsten, wenn ich den Rest kalten Wassers über mich kippe. Andere Menschen haben den Luxus von drei oder vier Litern relativ sauberen Wassers nicht und müssen sich anders behelfen.

Beim Wäschewaschen gilt das Gleiche wie beim Haarewaschen: die exakt richtige

Wäsche

Menge Seife ist nötig, um einerseits die Kleidung sauber zu bekommen und andererseits die Seife wieder ausspülen zu können. Wobei ich meistens die Kleidung nicht so sauber bekomme, wie ich gerne möchte: irgendwo gibt es immer noch braunrote Stellen, wo der allgegenwärtige Staub sich festgesetzt hat – besonders gerne auf weißen Unterhemden!

Dabei kann ich mir Waschpulver leisten und muss nicht mit der preiswerten, aber nicht besonders effektiven Seife vom Markt waschen.

Ich habe aber festgestellt, dass es sehr entlastend ist, wenn man keinen Spiegel hat. Ich habe mich daran gewöhnt, dass ich nicht sehen kann, ob ich ordentlich gekämmt bin. Und da meine Frisur nach dem dritten Friseurbesuch bei einheimischen Friseuren

Im Frisörladen

ohnehin nicht mehr als solche zu erkennen ist, fühle ich gelegentlich, ob die Haare so liegen, wie ich mir das vorstelle und falls ich Gelegenheit habe, in einen Spiegel zu schauen (im Centre de la Salle zum Beispiel) bin ich immer überrascht, wieviele Falten ich inzwischen habe.

Ich weiss jetzt auch, warum die Ruander so großen Wert darauf legen, sich die Fotos, die man von ihnen macht, im Display sofort anzusehen: sie wollen sehen, wie sie aussehen!

SALLON DE COIFFURE ET DE TRESSAGE

Bei den einheimischen Friseuren muss ich aufpassen, dass sie mir mit ihren Haarschneidemaschinen nicht eine Glatze schneiden, wie sie das bei den
einheimischen Kunden tun. Immerhin desinfizieren sie das Maschinchen mit etwas Alkohol und dann legen sie los. Da sie die Struktur europäischen Haares nicht gewöhnt sind und da sie auch keinen Kamm oder Bürste benutzen, ist das Ergebnis immer etwas unakurat. Eine Seite ist länger als die andere und zwischendrin gibt es mal kürzere, mal längere Haarbüschel. Aber zum Schluss wirst du mit einem Pinsel, der schon länger in Gebrauch ist, liebevoll im ganzen Gesicht von kleinen Haaren befreit! Und das Ganze kostet auch nur 1000 RwF (1,30 €).

Da haben es die einheimischen Frauen, die auf dem Kopf schön sein wollen, entschieden schwerer: um die krausen Haare zu glätten sind Unmengen übelriechender Chemikalien nötig und diese müssen auch noch lange einwirken. Die Haare wachsen auch nicht sehr lang, dann brechen sie. So haben viele Frauen kurze Haare, die wie ein Teller vom Kopf abstehen, teilweise auf der Oberfläche etwas blond gefärbt.

Da finde ich die Zöpfchen, die an die eigenen Haare angeflochten werden doch schöner. Allerdings kosten sie selbst zum Freundschaftspreis fast 3.000 RwF und es dauert bei mittellangen Zöpfen beinahe vier Stunden, bis sie fertig sind. Richtig waschen kann man die Haare dann leider auch nicht; so tragen Rwanderinnen schon mal eine Kratznadel in der Frisur.

Im Übrigen sind Lippenpflegstifte und Nagellack die Bestseller der

COSMETICS SHOP THANKs GOD

Verschönerungsindustrie. Nagellackentferner ist aber teuer, was machmal zu merkwürdigen Ergebnissen führt.

Frauen und Männer quälen sich, wenn sie nicht die allgegenwärtigen Plastikschuhe tragen wollen, mit unglaublichen, getragenen Schuhmodellen – gerne mit langen Schnabelformen und selten in der passenden Größe. Beim Schuhkauf musst man aufpassen, wie bei uns beim

Schuhe-Tuning

Kauf eines gebrauchten Autos: Schuhe werden ‚getunt‘ und lackiert, dass es eine Freude ist. Leider hält das Ergebnis dann nicht immer, was es versprochen hat.

Bei der Kleidung, wenn sie dann gewaschen (und getrocknet! -nicht immer ganz einfach, wenn es zwischendrin regnet) ist – muss man sich entscheiden, ob man
ungebügelt schön finden will. Ich finde es schön, weil ich mit einem Bügeleisen,

Kohlebügeleisen

gefüllt mit glühender Holzkohle, nicht das gewünschte Ergebnis erziele (ich weiß nicht, wie die Schneider am Markt die dunklen Holzkohlestreifen vermeiden!) und weil ich einfach auch zu Hause nicht gerne bügele!

Finger- und Fußnägel, (falls nicht schon „abgelaufen“) werden hier übrigens mit der Rasierklinge geschnitten!

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Wahlen

Wahlen

Ruanda ist ein streng strukturiertes Land. Es gibt 5 Provinzen (Nord, Süd, Ost, West und Kigali).
Jede Provinz ist unterteilt in Districtes, Secteurs und Cellules.
Meine Adresse in Kirenge lautet also: Provinz Nord, District Ruhlindo, Secteur Kisaro, Cellule Kirenge und muss auch so angegeben werden, wenn man ein Formular ausfüllt.

Am Freitag nun waren Wahlen für die Posten der Gemeindeverwaltungen (also Secteur und Cellule).
Die Schule fiel wieder mal aus und alle (registrierten) Wähler sollten sich um 7.00 Uhr morgens auf dem Wahlgelände einfinden.
Das war notwendig, weil die Wahl erst beginnen konnte, wenn mindestens 60% der Wähler/innen anwesend waren. Sie konnte erst dann beginnen, weil es natürlich hier in Ruanda keinen Wahlkampf gibt. Man kann zwar davon ausgehen, dass in den kleinen Orten die Kandidaten den Einheimischen bekannt sind, aber wenn jemand von den Collines kommt, weiß man das nicht immer. So hatten alle Kandidat/innen die Gelegenheit, sich drei Minuten lang vorzustellen und ihr Wahlprogramm bekannt zu machen (wie gesagt, erst dann, wenn 60% der Wähler anwesend waren. In einigen Gegenden dauerte es bis 11.00 Uhr, bis die Wahl beginnen konnte, wie ich in der Zeitung gelesen habe).
Nach der Präsentation stellten sich die Kandidaten mit einigem Abstand nebeneinander auf und die Wähler formierten sich hinter der Person, die sie wählen wollten!

Zeitungsbericht zu den Wahlen

Die (regierungstreue) New Times pries dieses Verfahren als besonders transparent und kostengünstig und hielt (den wenigen) Kritikern entgegen, sie seien wohl noch nicht reif genug für für eine offene Demokratie.

Am Mittwoch wird es Wahlen für Lehrervertreter/innen geben. Die Schule fällt wieder mal aus (nicht aber in meiner Schule in Kirenge, da gibt es ein Notprogramm) und alle Lehrer/innen begeben sich nach Rubaro (von hier aus 1,5 Stunden Fußmarsch), um ihre Vertreter zu wählen. Zwar weiß niemand, welche Aufagaben diese Vertreter haben, noch wie die KandidatInnen auf eine Liste kommen, aber alle gehen natürlich hin, weil registriert wird, wer kommt. Im letzten Jahr ist eine Kollegin gewählt worden, zur großen Überraschung aller, auch zu ihrer eigenen, weil sie sich garnicht als Kandidatin gemeldet hatte. Niemand hat ihr dann erklärt, was sie zu tun habe und in dem ganzen Jahr gab es auch kein Treffen mit anderen gewählten Kollegen.

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